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Silvester, zum Zweiten

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Silvester, zum Zweiten

Susanne Daxelhoffer

Heute feiern wir nochmals Silvester. Nyepi heisst das Fest in Bali, ein Höhepunkt im Mondkalender. Vegetarier sollten sich besser von den Tempeln fernhalten, Touristen sowieso. Mit Opfergaben – mehrheitlich Fleisch – werden die bösen Dämonen aus der Unterwelt gelockt. Während sie sich an den Köstlichkeiten laben, sind sie den Zauberformeln der Priester schutzlos ausgeliefert, und werden von der Insel verbannt. Gar nicht so abwegig, meint Ave Angus, ein gutes Stück Fleisch könne einem schon absorbieren. Aber Fleisch alleine reicht nicht aus. Rösten muss man die Dämonen. Dazu sind die spektakulären Ogoh Ogoh-Paraden da. Ave und ich wagen uns ins Getümmel. Entlang der Strasse steht und fliegt es, das Böse, auf Bambusgestängen aufgespiesst. Fratzen zum Fürchten, auf Angriff, muskulös und barbusig. Sex, Drugs and Rockn’roll, westliche Laster, balinesisch interpretiert. Und mit viel Liebe zum Detail modelliert. Trommeln und Zimbeln, Rhythmen, die uns an die Luzerner Fasnacht erinnern. Damn. Töffli-Parade, Fotos von den Bösen aus dem Damensitz. Sie posieren geduldig. Als wüssten sie nicht, dass sie bald verfeuert werden. Und ihre Überreste im Meer landen. Wo denn sonst. Nach dem nächtlichen Radau herrscht am zweiten Nyepi-Tag absolute Ruhe. Day of silence. Alles steht still, man bleibt zu Hause, und schweigt. Blackout, hat es Daisy gestern auf den Punkt gebracht. Sie werde sich zwingen, nicht mit sich selbst zu reden. Just shut the fuck up. Wer auf der Strasse erwischt werde, zahle den Polisi 350'000 Rupien. Ave und ich werden einen Tag lang schweigen. Impossible, lacht der Butler, ogoh ogoh, kurz aus der Rolle gefallen. Er kennt uns schon gut. Damn good.

Image: Taxi Hofer

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