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Tonträger der Menschlichkeit

Taxi Hofer | Ein Blog.

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Tonträger der Menschlichkeit

Susanne Daxelhoffer

Himustärne, sagte Beat, als er sich zu mir ins Taxi schwang, zu später Stunde. Beat ist Disk Jockey, auf dem dritten oder vierten Bildungsweg, vielleicht auf dem fünften, Beat hat aufgehört, mitzuzählen. Den beat habe er im Blut, pflegt er zu sagen, und die IV regle den Rest. Nein, ein Sozialschmarotzer sei er nicht, die Anlage habe er sich hart zusammengespart, und schliesslich trete er dort auf, wo die Musik längst aufgehört hat zu spielen, oder gar nie erst gespielt hat, in traurigen Dämmerlöchern, bis in die Morgendämmerung, und schlecht bezahlt sei der Job auch. Ich konnte ihm nachfühlen. Himustärne. Beat schnaufte. Nur kurz auf der Toilette sei er gewesen, eine verwelkte Rose im Arm, auch er müsse mal, nur menschlich, ich nickte. Keine fünf Minuten habe das gedauert, dann sei er wieder parat gewesen für den Zauber, aber die verdammte Anlage weg. Verschwunden. Einer habe sie mitgenommen, sagte man ihm an der Bar. Gestohlen, schrie Beat, gestohlen. Tiefpunkt. Sein Vertrauen in die Menschheit war noch nie sonderlich gross gewesen, ausser in sich selbst, wie könnte er sonst überleben. Wutentbrannt sei er aus dem Laden galoppiert, da habe er ihn gesehen, auch galoppierend, die Anlage unter dem Arm. Durch die halbe Stadt habe er ihn gejagt, dem zeig ichs, und schliesslich eingeholt. Verdammt, das ist meine Anlage, meine Anlage, brüllte er, und riss dem Mann das Gerät aus der Hand. Fertig lustig mit Menschlichkeit. Ohne die Anlage wäre ich am Arsch gewesen, sagte Beat. Den grossen Töff hätte ich verkaufen müssen. Himustärne. Ich nickte. Halt vor dem Café Black. Ich wünschte dem Plattenleger gute Fahrt.

Image: Eric Huybrechts