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Schweiz

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Winterkartoffelknödel

Taxi Hofer | Ein Blog.

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Winterkartoffelknödel

Susanne Daxelhoffer

Ich habe kein gutes Händchen fürs Kino. Denn sie sitzt immer genau im Sessel vor mir, die korpulente parfumierte Doupierte. Im Taxi habe ich sie neben mir, oder hinter mir, dann kann ich das Fenster runterkurbeln, wenns nicht klemmt. Frische Luft, und die Föhnfrisur ist auch platt. In München gibts ein Kino am Sendlinger Tor, das macht mich platt. 1913 flimmerten hier die ersten Filme über die Leinwand. Bis heute werden die Filmplakate an die Aussenwand gepinselt. Eine Pracht ist das Filmtheater auch drinnen. Viel Plüsch zum Versinken zwischen neoklassizistischen Säulen, und selbst die Loge für den König gibts noch. Karten verkauft eine alte Dame vom Schlag Mrs. Doubtfire, und Hitchcock persönlich bittet uns, die Mobiltelefone auszuschalten, man werde sonst psycho. Das Telefon von Provinzpolizist Franz Eberhofer im bayerischen Dorfkrimi Winterkartoffelknödel klingelt auch ständig. Er hat ja schliesslich gleich einen Vierer am Hals, vier mysteriöse Todesfälle und eine heisse Spur in Niederkaltenkirchen. Dazwischen Winterkartoffelknödel reinhauen, liebevoll zubereitet von der Oma. Die ist überhaupt der heimliche Star in dieser Persiflage auf die bayerische Landkultur. Transportiert sie doch die abgehackten Zehen ihres Mannes im Pilzkorb zum Doktor. Und weist den wuchernden Dorfsanitär zurecht: «Jetzt tinkst no a Bier. Dann gehst hoam, denkst nach und morgen schreibst a neue Rechnung.» Weiss wie ein Winterkartoffelknödel sah er aus, der Sanitär. Nicht schlecht, das Rezept.

Foto: Taxi Hofer

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