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Blaue Reiter

Taxi Hofer | Ein Blog.

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Blaue Reiter

Susanne Daxelhoffer

Wir hatten uns verliebt, als wir durch das Münchner Lenbachhaus liefen, ich in den frühen Kandinsky und der Müller in das Blaue Pferd I von Marc. Vermutlich hatte uns sein Animalismus angesteckt, oder wir waren einfach so scharf auf die Expressionisten, dass uns jedes noch so bunte Mittel recht war, die Helgen aus dem hellichten Museum zu entführen. Der schrullige Wächter da, wann hat er zum letzten Mal eine blutte Frau gesehen, ausser in Öl, sagte der Müller. Ablenkung ist in der Tat ein bewährter Trick. Also warf ich mich splitternackt vor des Wächters Füsse, wie Slevogts Danae, die 1899 in München für einen Skandal sorgte, weil ihr Körper zu unklassisch war für die klassische Zeit. Es gab einen ziemlichen Aufruhr, der Wächter mitten drin, während der Müller mit dem Taschenmesser das Blaue Pferd aus dem Rahmen säbelte, und Wassilys Murnau mit Kirche I, jetzt bloss raus hier, Akt beenden und hinter dem Müller herrennen, die steilen Stufen durch Altbau und Neubau hinunter ins Atrium, fast geschafft, da begann das Wirbelwerk gefährlich zu klirren, ein Tornado aus Glas und Stahl, der sich von der Decke in den Boden saugte, und mit ihm die Wächterin aus dem Dachgeschoss, selbst ein Kunstwerk, geschminkt wie ein russischer Tänzer kurz vor dem Auftritt, und ebenso wendig, ruckzuck turnte sie durch das Gestänge, federte neben dem Müller ab und riss ihm die Leinwandrollen aus dem Rucksack. Das wars. Aus und vorbei der Traum von der Expressionisten-WG. Wir flohen ins Last Supper, wo Endzeitstimmung erfrischend irdisch interpretiert wird, und tranken uns blau.

Foto: Taxi Hofer

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